Jeder kennt sie, alle lieben sie, die meisten hatten wahrscheinlich sogar schon mal ein eigenes: Haustiere.

Wir wissen, dass wir Menschen Hunde und Katzen, Meerschweinchen, Wellensittiche und so weiter gerne als Haustiere halten. Es sind Tiere zum Anfassen, zum Liebhaben; Tiere, zu denen wir eine persönliche Bindung eingehen können. Tiere, die von uns abhängig sind und daher auch eine Bindung zu uns aufbauen. Oder vielleicht auch, weil sie uns mögen…?

Aber was sind eigentlich die Qualitäten, die ihnen diesen besonderen Titel verleihen? Warum sind Löwen zum Beispiel keine Haustiere? Klar, sie sind riesig und gefährlich. 

Aber wie sieht’s mit Füchsen aus? Kann man die eigentlich so halten, wie einen Hund? Oder vielleicht ein Wolf? Viele Menschen hätten bestimmt gerne so ein eindrucksvolles Haustier.

Die Antwort ist leider nein. Und zwar, weil sie nicht domestiziert sind.

 

Domestizierung

 

Die Domestizierung ist ein Prozess, der über Generationen hinweg eine Tierart so verändert, dass sie irgendwann zu Haustieren werden. Dabei werden die zu domestizierenden Tiere von der Wildart isoliert und so selektiert, dass bestimmte gewünschte Eigenschaften immer präsenter werden und andere immer mehr abnehmen. 

Der Wolf ist zum Beispiel, wie viele wissen werden, die wilde Stammform des Hundes. Die Domestizierung von Hunden hat wahrscheinlich (das ist noch ein Streitpunkt) vor ca. 23.000 Jahren begonnen [1] https://www.pnas.org/content/118/6/e2010083118 , was bestimmt ein Grund dafür ist, dass sie heute so perfekt an den Menschen angepasste Begleiter sind. 

Aber die lange Zeit ist nicht der einzige Grund. Es gibt nämlich Tiere, die schwerer zu domestizieren sind, als andere. Manche Tiere, Zebras zum Beispiel, wurden trotz mehrerer Versuche nie domestiziert. Dafür war das schlicht und einfach zu anstrengend [2] https://www.tierwelt.ch/news/wildtiere/warum-wurden-zebras-nie-domestiziert . Zebras sind so wild und unberechenbar, dass sie sehr schwer zu zähmen sind.

Und das hat zur Folge, dass die Menschen einfach nicht den Willen und die Ausdauer hatten, Zebras zu domestizieren.

Denn neben der Zeit ist das die zweite Zutat für die Domestizierung das Engagement der Menschen. Tiere, die sich nur wehren und gar keine Lust haben, gezähmt zu werden, eignen sich nicht so gut als Begleiter. Mit den Wölfen lief das anders. Wolf und Mensch haben sich schon zur Eiszeit angenähert und sind immer mehr eine Art Symbiose eingegangen [3] https://www.youtube.com/watch?v=UNN0qw6aPKQ&t=327s .

 

Vergleich Hund und Wolf

 

Hunde sind extrem vielfältig. Wenn man sich einen Chihuahua und einen Husky anschaut, möchte man fast anzweifeln, dass beide derselben Familie angehören. Da haben Schäferhunde und Wölfe schon mehr Ähnlichkeit. Trotzdem gibt es einige Eigenschaften, die den Hunden durch die Domestizierung gemein ist und welche sie gegenüber den Wölfen abgrenzen. Da wäre einmal das zahme Temperament, die Gelehrigkeit und die Fähigkeit zum Schwanzwedeln. Weiterhin hat sich auch die Kopfform verändert: Schädel, Zähne und auch das Gehirn wurden kleiner [4] https://www.nationalgeographic.de/wolf/vom-wolf-zum-wuffi . Auch ein wichtiger Unterschied: Wölfe sind Fleischfresser, Hunde Allesfresser. Daran erkennt man sehr deutlich, wie sich der Hund an den Menschen angepasst hat. Seine Nahrung kann er theoretisch aus den Essensresten der Menschen bekommen. Einen kleinen Steckbrief mit verschiedenen Merkmalen zu Hunden und Wölfen findet ihr hier.

 

Unterschied zu zahmen Wildtieren

 

Was unterscheidet aber domestizierte Tiere von Wildtieren, die einfach gezähmt wurden? Das Zähmen kann vielleicht als eine wichtige Voraussetzung zur Domestizierung angesehen werden. Zebras lassen sich schwer zähmen, was zur Folge hat, dass die Menschen keine Lust hatten, mit ihnen ihre Zeit zu verschwenden und so wurden sie nie domestiziert.

Aber ein zahmes Wildtier ist etwas ganz anderes als ein Haustier. 

Verhaltensweisen kann man zwar durch das Zähmen anpassen, aber nicht die Bedürfnisse des Tieres. Sprich: Man kann vielleicht dafür sorgen, dass ein Tiger einen nicht mehr bei der erstbesten Gelegenheit angreift. Aber ihm das Bedürfnis danach abzutrainieren, täglich ca. 20-25 km umherzustreifen und zu jagen, wird schon schwieriger sein.

Man muss bedenken, dass Wildtiere normalerweise ihrem natürlichen Lebensraum entrissen und mit großer Anstrengung gezähmt werden. Es wird viel Zeit darauf verwendet, den Tieren arttypische, unerwünschte Instinkte und Verhaltensweisen auszutreiben. Bei domestizierten Tieren ist es deutlich weniger Aufwand, sie zu einem guten Haustier auszubilden.

Kehren wir zum Beispiel Hund zurück: Über Jahrtausende hat sich dieser an Menschen gewöhnt und ist mittlerweile glücklich an unserer Seite. Wir sehen, dass Hunde uns “gefallen wollen” (je nach Persönlichkeit mal mehr, mal weniger). Sie suchen unser Lob und unsere Zuneigung. Und sie sind am glücklichsten, wenn ein gutes Verständnis zwischen Halter*in und Hund herrscht. 

So geht es wilden Tieren aber nicht. Sie wären wahrscheinlich glücklicher, wenn wir sie einfach in Ruhe ihr Ding machen lassen würden. Ich glaube viele Menschen verstehen gar nicht, wie glücklich wir uns schätzen können, dass manche Tiere tatsächlich von ihrem Wesen her gerne bei uns sind. Nein, diese Tiere sind dann schon zu langweilig und man hätte doch viel lieber einen Wolf oder sogar Tiger als Haustier. Das ist doch irgendwie absurd, oder? Wie es Wildtieren ergehen kann, wenn sie als Haustiere gehalten werden, werde ich in einem zukünftigen Beitrag noch einmal genauer untersuchen.

Zunächst einmal wollen wir festhalten, dass Domestizierung ein langwieriger und komplizierter Prozess ist, der allerdings das wunderbare Ergebnis hat, dass es einige Tiere auf der Welt gibt, die gerne mit uns Menschen zusammen leben.

von Freddy

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